Eishockeyspektakel in Spiel 3
- vor 6 Tagen
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Fans, welche dieses Spiel 3 am gestrigen Freitagabend live verfolgt hatten, erlebten so ziemlich alles, was diesen grandiosen Sport so ausmacht: Phänomenale Tore, Emotionen, Wendungen und ein Drama bis zur letzten Sekunde. Ein Spiel, das einer Serie zwischen den Eisbären und den Löwen nur gerecht wird und erst in der Verlängerung mit 7:6 (2:1/3:1/1:4/1:0) für die Hausherren entschieden wurde. 714 Zuschauer in der Waldkraiburger Raiffeisen Arena bekamen Eishockey der Extraklasse geboten. Mit über 250 mitgereisten Burgauer Fans, darunter drei Fanbusse und zahlreiche Selbstfahrer, war auch der Gästeblock prall gefüllt. Beide Fanlager sorgten für eine brutale Stimmung.
Bei den Eisbären stand Philipp Schnierstein zwischen den Pfosten, Gustavs Samitis fungierte als Backup. Coach Fabio Carciola konnte mit einem vollen Aufgebot in die Partie gehen. Auf Seiten der Gastgeber hütete erwartungsgemäß Maxi Englbrecht das Tor der Löwen.
Die Partie begann mit Tempo. Bereits nach wenigen Sekunden prüfte Sven Gäbelein den EHC Schlussmann. Kurz darauf folgte ein harter Bandencheck gegen Petr Ceslik, der den Eisbären eine fünfminütige Überzahl bescherte. Wirklich ins Rollen kam das Powerplay zunächst jedoch nicht.
Dennoch fiel in dieser Phase die Führung: Balint Makovics eroberte die Scheibe zwischen den Bullykreisen, legte auf Andreas Wiesler ab, der aus kurzer Distanz zum 0:1 vollstreckte.
In der Folge entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, in dem beide Teams zu Chancen kamen. Waldkraiburg nutzte schließlich eine davon: Nach schönem Zuspiel von Andris Dzerins musste Nico Vogl ebenfalls in einer Überzahlsituation nur noch einschieben (11.). Zum Ende des Auftaktdrittels legten die Löwen nach. Jakub Sramek setzte sich bei einem Alleingang durch und traf durch die Beine von Schnierstein zur 2:1-Führung (18.).
Auch im zweiten Abschnitt blieb das Spiel intensiv. Waldkraiburg erwischte den besseren Start: Nico Vogl staubte bei angezeigter Strafe mit einem Tip-In zum 3:1 ab (24.), nur knapp eine Minute später erhöhte Florian Maierhofer im Alleingang auf 4:1 (25.). Doch Burgau blieb dran. Nach einer Riesenchance der Gastgeber, bei der Patrick Spingler einen überaus wichtigen Block setzte, nutzten die Eisbären einen Konter. David Zachar und David Ballner liefen alleine auf das EHC Tor zu. Zachy blieb cool und netzte selber eiskalt zum 4:2 ein (27). Das Spiel wurde nun zunehmend hitziger. Beide Teams zwangen sich gegenseitig zu Fehlern, Waldkraiburg lauerte immer wieder auf Konter und kam auch zu einigen gefährlichen Situationen. In der 33. Minute ereignete sich ein herber Ausfall für die Löwen: Jakub Sramek musste nach einem geblockten Schuss verletzt vom Eis und konnte nicht weiterspielen. Der muntere Schlagabtausch ging dennoch direkt weiter. Postwendend stellte Leon Decker mit einem sauber platzierten Schuss im Alleingang auf 5:2 für Waldkraiburg (33.). Bis zum Drittelende konnten nun beide Goalies die Oberhand behalten.
Im Schlussabschnitt starteten die Eisbären eine beeindruckende Aufholjagd. Zunächst verkürzte David Ballner nach einem starkem Zuspiel von Andi Wiesler auf 5:3 (42.). Nur 23 Sekunden später traf Daniel Bartuli zum 5:4 – plötzlich war Burgau wieder voll im Spiel. Doch die Löwen antworteten schnell: Rene Mertz traf mit einem verdeckten Schlenzer von der blauen Linie zum 6:4 (43.). Vor Philipp Schnierstein herrschte massig Verkehr, der dem Burgauer Schlussmann 0,0 Sicht übrig ließ. So sah er die Scheibe erst, als sie bereits an ihm vorbeiflog. Die Eisbären ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Nach starkem Zusammenspiel über David Ballner musste Nikolas Oppenberger im Powerplay nur noch ins leere Tor zum 6:5 einschieben (50.). Der Druck der Gäste wurde nun immer größer und schließlich belohnt: Sven Gäbelein traf nach perfektem Zuspiel von Tim Söldner per Schlagschuss aus kurzer Distanz zum 6:6 in den Winkel (57.) Der Gästeblock fiel in Ekstase, bei den Heimfans herrschte Fassungslosigkeit. Die reguläre Spielzeit endete wie sie begonnen hat. Nur dieses Mal erhielten die Eisbären, in Form von Tim Söldner, eine fünfminütige Strafe wegen eines Ellbogenchecks. Damit hatten die Löwen nochmal knapp 90 Sekunden Überzahl bis zur Schlusssirene, die sie durch das starke Unterzahlspiel der Markgrafen nicht nutzen konnten. Damit fand die Begegnung ihren Höhepunkt in der Overtime.
Die zehnminütige Verlängerung entwickelte sich zu einem echten Krimi. Waldkraiburg startete mit einer 4 gegen 3 Überzahl, doch die Eisbären verteidigten aufopferungsvoll. Beinahe wäre die Strafe abgelaufen gewesen, da passierte den Markgrafen ein mehr als ungünstiger Wechselfehler. Zu viele Spieler waren auf dem Eis. Damit spielten die Hausherren 11 Sekunden 5 gegen 3, bevor der vierte Eisbär zurückkam. Auch dieses Penaltykilling meisterte Burgau vorbildlich. Fast sieben Minuten Unterzahl am Stück überstanden die Eisbären mit großem Einsatz. Doch nur 30 Sekunden später fiel die Entscheidung. Daniel Hora spielte einen langen Pass auf Nico Vogl, welcher an der blauen Linie lauerte. Vogl konnte trotz Bedrängnis den Puck im Tor unterbringen und mit seinem dritten Treffer des Abends das 7:6 erzielen (66.).
Die Eisbären zeigten eine starke Moral und kämpften sich nach drei Toren Rückstand zurück in die Partie. Gleichzeitig ließen sie jedoch zu viele Konter und Alleingänge zu - ein Punkt, an dem im morgigen Spiel angesetzt werden muss. Die Stimmung in der Raiffeisen Arena war über die gesamte Partie hinweg elektrisierend. Das Duell zwischen Burgau und Waldkraiburg entwickelt sich damit erneut zu einer Serie, die nichts für schwache Nerven ist.
Somit haben die Eisbären am morgigen Sonntag um 18:30 Uhr den zweiten Matchpuck zum Klassenerhalt, andernfalls fällt die Entscheidung am Dienstag ab 19:00 Uhr in Waldkraiburg.
Eines ist sicher: Die Hölle Schwabens wird morgen brennen.
Endstand: EHC 7:6 n.V. ESV (2:1/3:1/1:4/1:0) // Strafen: EHC 15 Minuten; ESV 15 Minuten // Zuschauer: 714
Tore:
0:1 - 05:11 Wiesler (Makovics, Arnawa) - +1
1:1 - 10:45 Vogl (Dzerins, Ovaska) - +1
2:1 -17:10 Sramek (Vogl) - EQ
3:1 - 23:18 Vogl (Sramek, Hora) - EQ
4:1 - 24:13 Maierhofer (Cejka) - EQ
4:2 - 26:27 Zachar (Ballner, Malysjev) - EQ
5:2 - 32:51 Decker (Hora, Dzerins) - EQ
5:3 - 41:34 Ballner (Wiesler, Zachar) - EQ
5:4 - 41:57 Ballner (Wiesler, Bartuli) - EQ
6:4 - 42:35 Mertz (Dezerins, Decker) - EQ
6:5 - 49:31 Oppenberger (Ballner, Paakkola) - +1
6:6 - 56:07 Gäbelein (Söldner, Arnawa) - EQ
7:6 - 65:43 Vogl (Hora) - EQ



